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Von uA38,

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Emre Mor vom dänischen Klub FC Nordsjælland ist 18 Jahre alt und gilt als eins der größten Talente Europas. Für die Türkei fährt er zur EURO, anschließend könnte er zu Borussia Dortmund wechseln. Vergleiche mit Lionel Messi kommen allerdings noch zu früh.

Die Krönung erfolgte nach dem Abpfiff. Arda Turan schnappte sich Emre Mor, umarmte den schmächtigen Jungspund herzlich und hob ihn dabei kurz vom Boden hoch. Der Kapitän und Barça-Star trug den Newcomer auf Händen. Der hatte gerade ein aufsehenerregendes Debüt für die türkische Nationalmannschaft geliefert.

Im Testspiel gegen Montenegro war der Offensivspieler zur Pause eingewechselt worden. Die 30.000 Fans in Antalya verzückte der nur 1,68 Meter große Edeltechniker in seinen 45 Minuten Spielzeit mit blitzschnellen Dribblings, feinem Passspiel und einer Menge Zug zum Tor. Der Applaus nach Spielende war ihm sicher – und die Respektsbekundungen von Arda Turan.



Wieder einmal hatte Mor eine Menge Aufsehen erregt. Ein Gefühl, das ihm inzwischen vertraut ist. Egal, ob bei seinem ersten Klub Brønshøj BK, bei Lyngby, seinem aktuellen Arbeitgeber Nordsjælland oder in den dänischen U-Nationalmannschaften, für die er insgesamt 22 Partien bestritt: Der in Kopenhagen geborene Sohn türkischer Eltern ragte überall heraus.

"Es ist außergewöhnlich, zu was er im Stande ist. Er hat so viel Geschwindigkeit in seinen Füßen und ist so unvorhersehbar", schwärmt Nordsjællands Trainer Kasper Hjulmand von seinem talentiertesten Spieler: "Wenn man erwartet, dass er jetzt einen Pass spielt, macht er stattdessen noch ein Dribbling und ändert die Richtung."

Dank dieser Attribute erfolgte Mors Aufstieg rasant. Im letzten Winter entschied er sich, international künftig für das Heimatland seiner Eltern aufzulaufen. Der türkische Verband hatte sich monatelang um den Linksfuß bemüht. Im März debütierte er für die U21, Ende Mai folgte der vielbeachtete erste Einsatz im A-Team.

"Emre ist ein besonderer Spieler, ein außergewöhnlicher. Wäre er gewöhnlich, wäre er nicht hier. Ich gratuliere allen, die dabei geholfen haben, ihn für uns zu gewinnen", frohlockte Nationalcoach Fatih Terim im Anschluss an das Montenegro-Spiel. Am Dienstag berief der "Imperator" Mor dann in seinen endgültigen 23er-Kader für die Endrunde in Frankreich. Es wäre verwunderlich, wenn Mor dort nicht wieder auf sich aufmerksam machen würde.

Auch den Scouts zahlreicher größerer Klubs ist das Supertalent nicht verborgen geblieben. Medienberichten zufolge buhlt neben den großen Istanbuler Vereinen auch Borussia Dortmund um Mor, der als Wunschspieler von Trainer Thomas Tuchel gilt. Als offensiver Flügelspieler, der auch als "falsche Neun" auflaufen kann, würde der Youngster den Kader des deutschen Vizemeisters perfekt ergänzen.

Laut "Bild" müsste die Borussia für Mor den Schnäppchenpreis von einer Million Euro zahlen. Startet der Rohdiamant beim Revierklub durch, sollen allerdings noch satte Nachschlagszahlungen fällig werden.

Der Ex-Dortmunder Otto Addo, heute Co-Trainer bei Nordsjælland, empfielt den Schwarzgelben den Transfer wärmstens. Er habe "vom Talent noch nichts Besseres" als Mor gesehen. "Wie er dribbelt, erinnert er wirklich an Superstar Lionel Messi", zitiert der "kicker" Addo.

Der Messi-Vergleich begleitet Mor bereits seit längerem. Begeistert ist er davon nicht, zu groß sind die Erwartungen, die damit einher gehen. Der Hochbegabte ist nicht der erste Nachwuchsspieler in den letzten Jahren, dem früh das Prädikat "der nächste Messi" verpasst wurde. Die meisten davon sind sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden.

Ein Vorbild ist der vierfache Weltfußballer trotzdem für Mor. Vor jedem seiner Spiel schaut sich der Türke Videoclips von seinem Idol an, studiert dessen Bewegungsabläufe und Spielweise, um auf dem Platz noch besser zu werden.

Bis zur Weltspitze ist es für den Youngster allerdings noch ein weiter Weg. Dauerhaft auf höchstem Niveau hat sich Mor noch nicht bewiesen. Während er seine physische Unterlegenheit in der Regel durch seine überragende Ballbehandlung und Dynamik ausgleich kann, steht seine Mentalität dem Türken allzu häufig noch im Wege.

Anders ausgedrückt: Mors Leistungen sind noch zu abhängig von seinen Launen. "Wenn ich in schlechter Stimmung bin und deshalb schlecht auftrete, dann kann ich mein eigener schlimmster Feind sein", erklärt er offenherzig. Starte er schwach in ein Spiel, könne er schnell die Lust verlieren, so Mor weiter. "Dann kann es passieren, dass ich ausgewechselt werden will."

Für den Teenager spricht, dass er seine größte Schwäche erkannt hat. "Ich kann diesen Umstand inzwischen in positive Energie umsetzen", sagt er selbst. "Er hat verinnerlicht, hart zu arbeiten, und ist als Person gereift", attestiert auch Per Holm, Mors früherer Trainer bei den dänischen U17-Junioren, seinem Ex-Schützling eine positive Entwicklung.
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